Was ist systemische Supervision /Coaching?

Allgemein

Systemische Supervision/Coaching ist zunächst ein Beratungsformat für Einzelpersonen, Führungskräfte, Mitarbeiter:innen, Gruppen, Arbeits- und Projektteams. Somit ist es ein Unterstützungsangebot für erwerbstätige Menschen.

Die Bezeichnung Supervision wird vor allem in der Sozialarbeit verwendet, Coaching im Wirtschaftsbereich, wobei letzteres eine Hilfestellung bei der individuellen Entscheidungsfindung darstellt.

Was bezeichnet das Adjektiv systemisch

Die systemischen Grundgedanken speisen sich aus der Systemtheorie, die sich in Systemtheorie 1. und 2. Ordnung unterscheiden lässt (wobei die Systemtheorie 2. Ordnung als Weiterentwicklung angesehen werden kann).

„Systemisch“ ist ein Mix aus diesen beiden Grundgedanken.

Bei der Systemtheorie 1. Ordnung steht das Phänomen der Rückkoppelung im Fokus. Dieser – aus der Kybernetik entlehnte – Begriff wird mit einem Heizkreislauf umschrieben, der über ein Thermostat gesteuert ist. Wenn die Temperatur einen gewissen Schwellenwert über oder unterschreitet, wird die Heizung aktiviert bzw. deaktiviert.

Auf der psychoanalytischen und beratenden Ebene wird dieses Prinzip auf die Wechselwirkung / Interaktion zwischen Menschen angewandt:

Person A handelt, dies veranlasst Person B zu handeln/nicht zu handeln, was wiederum auf Person A zurückwirkt. Auch hier wird dies als Rückkoppelung beschrieben. Für mehrere und/oder immer wiederkehrende Rückkoppelungen wird die Begrifflichkeit der Zirkularität verwendet.

Systemtheorie 2. Ordnung

In der Systemtheorie 2. Ordnung wird (im Gegensatz zu der Systemtheorie 1. Ordnung) davon ausgegangen, dass es kein – vom Beobachtenden unabhängiges – System gibt, welches analysiert und gesteuert werden kann, wenn die „richtigen Hebel“ betätigt werden.

Denn erstens gibt es kein System, welches objektiv betrachtet werden kann. Hierbei fließen die Feststellungen der Konstruktivisten mit ein. Diese bestreiten, dass es eine ontologische Welt gibt, über die kommuniziert werden kann.

(Wahrheit – von Förster, von Glasersfeld, Watzlawick)

Zweitens funktioniert jedes System – so auch jedes Interaktionssystem – nach autopoietischen Grundsätzen. Dieser etwas sperrige Begriff umschreibt den Umstand, dass lebendige Systeme sich durch ihr Sein und ihr Tun ständig reproduzieren (nach Maturan, Varela).

Soziale Kommunikationssysteme nehmen nur das wahr, was für sie Sinn macht (Luhmann) und erzeugen sich dadurch selbst. Damit wird in der Welt der Unsicherheit, eine scheinbare Sicherheit über die gemeinsame anschlussfähige Kommunikation hergestellt.

Somit sind Systeme Erfindungen des Menschen

Das Zusammenwirken einzelner Komponenten, die in Summe als System gesehen werden, können passen oder auch nicht, können brauchbar oder nicht brauchbar sein.

Im Rahmen der systemischen Supervision entscheidet jede/jeder Einzelne selbst, ob meine Interventionen „ankommen“ oder nicht. Sprich: Ist das, was ich tue, „anschlussfähig“, kann jemand dies verstehen und damit etwas anfangen.

Gemäß dem Konzept der Relevanz (und auch als ethisches Prinzip für Supervisoren: innen) ist die Suche nach einer passenden Anschlussfähigkeit der Kunden: innen, meine Aufgabe.

Kernthesen der Supervision

In erster Linie stellt sich die Frage, welches Interaktionsmuster dient zur Aufrechterhaltung einer problemhaft angesehenen Wechselwirkung  zwischen einem Individuum und dessen Umwelt. Kurzum, wo liegt das Problem.

Aus der systemischen Perspektive wird davon ausgegangen:

  • Wenn ein Teil des Phänomens/seiner Umwelt verändert wird, verändern sich weitere Teile.
  • Es können nur Phänomene erkannt werden, die von Dauer sind.

Als Supervisor gilt es herauszufinden, welche Veränderungen bei den Kund: innen als relevant eingestuft werden.

Jedoch ist eine gezielte Steuerung der Veränderung nicht möglich.

Es ist zu berücksichtigen, dass ich als Supervisor ein Teil des beobachteten Systems bin.

Es gilt für mich als Supervisor das Prinzip, dass ich beobachte und wahrnehme; und dass ich diese Perzeption in einer für die Kund:innen anschlussfähigen Sprache mitteile.