Die Erreichung eines Projektzieles hat mehrere „Mütter und Väter“. Viele denken zuerst an die Ressourcen (finanziell, zeitlich), jedoch ist vorwiegend die Kommunikation der Schlüssel erfolgreicher Projekte.
Im Besonderen sind die Bedürfnisse der Projektmitarbeiter: innen entsprechend zu berücksichtigen. Werden diese nicht ausreichend gewürdigt, ist der Einsatz, die Motivation und die investierte Energie nicht ausreichend gewährleistet.
Viele haben nur das Erreichen des Ziels im Auge. Dies ist gut und recht, denn Projekte haben meist strikte zeitliche Vorgaben.
Aber was in Projektteams abläuft, die Interaktionen zwischen Projektmitarbeiter: innen, Auftraggeber: innen, Stake- und Shareholdern beeinflussen den Projekterfolg. Findet sich jeder und jede mit individuell wichtigen Anliegen in einem Projekt wieder? Werden die Akteure in ihrem Hadeln gesehen und anerkannt?
Projektleitende haben in ihrer Funktion die Aufgabe dafür zu sorgen, dass ein Team handlungsfähig ist. Hier komme ich als Supervisor ins Spiel:
Ich bearbeite mit dem Team etwa die Frage, wieso in einem konkreten Projekt die Zeitvorgaben nicht eingehalten werden.
Dabei werden oftmals latent wirkende Konflikte sichtbar. Diese werden thematisiert, bearbeitet, ergebnisoffen und wertneutral angesprochen. In einer sicheren, vertrauenswürdigen und konstruktiven Umgebung findet das Artikulieren lähmender Ängste, Unsicherheiten und Tabus Platz; wobei die formalen Aufgaben im Rahmen des Projektes den übergeordneten Rahmen bilden.
Dies unterscheidet Supervision von therapeutischen Sitzungen. Supervision arbeitet unmittelbar im beruflichen Kontext. Individuellen Notlagen wird jederzeit der Raum gegeben, jedoch können diese nur im Kontext der beruflichen Tätigkeiten bearbeitet werden. Für die Bearbeitung darüberhinausgehender Bedürfnisse werden Informationen zu fachkundigen Expert: innen zur Verfügung gestellt.
Beispiele
Supervision wird beansprucht, wenn es in der Zusammenarbeit von mindestens zwei Kolleg: innen Probleme gibt. Oft werden dabei Vorwürfe wie diese geäußert:
„Ich würde ja, aber mein Kollege macht nichts.“
„Wenn ich etwas mache, werde ich nur kritisiert, dass dies so nicht passt.“
„Meine Arbeit wird nicht wertgeschätzt.“

Ein Beispiel aus der Praxis:
In einem Projekt ging es darum, eine Präsentation eines Produktes zu erarbeiten. Das Team hat schon einige ähnliche Aufträge – nach außen hin – erfolgreich erledigt.
Am jetzigen Projekt ging nichts weiter. Der Chef meinte, dass man sich das nun genauer ansehen sollte. Vorab besprach er seine Wahrnehmung mit den Mitarbeiter: innen und schlug die Inanspruchnahme von Supervision vor.
Im Zuge des Supervisionsprozesses kam ein schwelender Konflikt zwischen zwei Mitarbeiter: innen zu Tage. Ein Mitarbeiter machte seiner Kollegin den Vorwurf, dass sie unzuverlässig sei. Nach Nachfragen des Supervisors, wie er zu dieser Behauptung kommt, stellte sich heraus, dass die Mitarbeiterin eine vereinbarte Email an den Mitarbeiter nicht übermittelte. Der Supervisor befragte beide Seiten zu dem Vorfall und wie es ihnen so ginge. Es stellte sich heraus, dass diese Email für die Kollegin nicht so wichtig war und sie glaubte, dass es auch umgekehrt so der Fall sei.
Kurzum: Es handelte sich um ein Missverständnis, welches massive Auswirkungen auf die Erfüllung des Projektauftrags hatte. Der Vollständigkeit halber soll auch noch das Happy End erwähnt werden: Die zwei Projektmitarbeitenden erledigten ihren Auftrag zur vollsten Zufriedenheit. Auch die zukünftige Zusammenarbeit wurde im Nachhinein als weiterhin möglich angesehen.
Meistens geht es in Interaktionen um Kleinigkeiten, die von mindestens zwei Personen in ihrer Bedeutung höchst unterschiedlich gewichtet werden.
Diese Kleinigkeiten werden oftmals nicht besprochen, sondern es kommt zu allgemeinen Zuschreibungen, wie der andere denn so sei. In Unternehmen werden Allianzen mit Gleichgesinnten geschmiedet, es folgt eine Reihe von Verhalten, die ein gegeneinander Arbeiten provozieren. Dies wirkt sich nicht sofort auf die Qualität des Produktes aus, beeinflusst jedoch mit Sicherheit die Freude an der Arbeit negativ. Es folgen Kränkungen, die nicht mehr sachlich, sondern nur mehr emotional „bearbeitet“ werden. Dies kann so weit gehen, dass jemand aus diesem Interaktionskreislauf durch Krankenstand, Kündigung usw. aussteigt.
Supervision gibt Zeit, um diesen Entwicklungen entgegensteuern zu können.
Supervison ist neutral und hat den Beziehungsaspekt im Fokus der Bearbeitung.
Supervision sollte aus gefühlter Ohnmacht, Perspektiven der eigenen Handlungsfähigkeit machen.
Supervision sollte ein miteinander Arbeiten ermöglichen.
